Vorwort zur überarbeiteten Neuauflage September 2006
Von Dr. Dorit Urd Feddersen-Petersen
Für
mich ist dieses Werk der Klassiker zur Hundeerziehung. Nicole Hoefs und
Petra Führmann verfügen über profunde verhaltensbiologische Kenntnisse
und sie befassen sich in ihrem „Erziehungsprogramm“ ganzheitlich mit
Hunden, stets unter Berücksichtigung ihrer biologischen Möglichkeiten,
bestehender Rassebesonderheiten und der ausgeprägten interindividuellen
Variabilität, also der Persönlichkeit eines Tieres.
Hunde werden in
diesem Buch nie pauschalierend missverstanden, vielmehr wird durch ein
vielfältiges Angebot der Möglichkeiten ihrer jeweiligen Besonderheit
und Einzigartigkeit Rechnung gezollt. Ein Hunde verstehen ,
doppelsinnig gemeint, zieht sich als roter Faden durch das großartige
Buch. Die Autorinnen gehen von biologischen Grundlagen aus und bedienen
sich der jeweils angezeigten Wege ihrer Anwendung im konkreten Fall,
wählen also nachvollziehbar diejenigen Herangehensweisen, die sich für
diesen oder jenen Hund und deren Menschen anbieten.
Das
„Erziehungsprogramm“ verzichtet somit bewusst auf die Methode des
Trainings, die schnelle Herangehensweise mit dem programmierten Erfolg.
Diese Bescheidenheit fußt auf einem breitgefächerten Wissen und der
Erkenntnis, dass Hunde als hochentwickelte Lebewesen immer wieder
eigene Herangehensweisen benötigen, um zur Verständigung und zum
Einklang mit ihnen zu gelangen.
So
entstand ein Buch, das ein wirklicher Ratgeber wurde, eine wahre
Fundgrube der Möglichkeiten wie des Möglichen, indem Problemzonen des
Zusammenlebens bestimmter Menschen und bestimmter Hunde kritisch
hinterfragt werden. Es geht dabei auch um Rassehunde und deren
genetische Besonderheiten, denen Rechnung zu tragen ist. Etliche
Probleme entstehen ja zwangsläufig, weil Hunde schlicht unterfordert
und gelangweilt, alles andere als ausgelastet sind, und Motivationen
mit genetischer Diposition nun über Bewältigungsstrategien an extrem
reizarme Umgebungsbedingungen begegnen. Dabei zeigen sie
Verhaltensweisen, die schnell als „Störung“ abgestempelt werden.
Die
Autorinnen gehen auch hier den ganzheitlich analytischen Weg, sie
doktern nicht an Symptomen herum, sie sind bemüht, den Genesen von
Auffälligkeiten nachzuspüren.
Die
Basiserziehung ist begeisternd, da die „Biologie des Hundes“ implizit
gelehrt wird: was können Hunde lernen, wie lernen sie, wo gibt es
Grenzen und warum ist das so. Den Autorinnen geht es darum, dass
verstanden wird, warum in welcher Situation eine bestimmte
Vorgehensweise empfohlen wird. Hier wird nie die eigene Meinung der
Autorinnen aufoktruiert, sondern in gut verständlichen Ausdrucksformen,
also didaktisch sehr gelungen, zum Nachdenken angeregt.
Es
geht um die Erziehung des Junghundes wie das Bewältigen von Problemen
für Menschen und Hunde jedweden Alters. Basis der Erziehung ist die
exzellente Darstellung der hundlichen Kommunikation, seines
Sozialverhaltens und der Interaktionsformen mit dem Menschen. Es geht
um Sozialisation, Beziehung und Bindung im biologisch korrekten Sinne,
hier entstehen keine neuen Mythen.
Ich
wünsche diesem hervorragenden „Erziehungsprogramm“, was es verdient
hat: eine ganz ausgeprägte Verbreitung. Denn es wird Gutes stiften und
Verwirrungen, die heute ausgeprägt sind aufgrund widersprüchlicher
„Wege zum Hund“ beseitigen. |
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